flight attendant persönlich

Zurück in die Luft?

Dieser Beitrag habe ich vor mehr als drei Jahren geschrieben, als ich mit dem Entscheid rang, ob ich wieder als Flight Attendant arbeiten wollte oder nicht. Der Text hat aber wenig an Aktualität verloren – dieses Jahr musste ich mich wieder zwischen der Fliegerei und einem spannenden Job-Angebot entscheiden. 

Persönlich – Zurück in die Luft?

Es begann damit, dass mir Hong Kong und Chicago fehlte. Dann New York und San Francisco, bald darauf auch Singapur. Später sprach ich mit meinem lieben Gotti, ihrem Mann und meiner Cousine über →Boston und wünschte mir, sogleich wieder hinfliegen zu können. Und ab und an mal in Dares Sonne zu tanken während des dunklen Winters hätte mich auch gefreut.

Dabei wollte ich das eigentlich hinter mir lassen. Ich war mir sicher: es war ein tolle Zeit, aber die ist vorbei, der Zenit überschritten. Im Büro  hatte ich das beste Team in Zürich um mich, durfte spannenden Projekte leiten und mitarbeiten, hatte Freiheiten in meiner Arbeitszeitgestaltung und sah eine beruflich spannenden Perspektive vor mir. Nervige Wünsche hatten sich von gefühlten 100/Tag auf 1/Monat reduziert und ich überlegte mir, wie ich mich mit Weiterbildungen weiter positionieren könnte und vielleicht sogar Karrieren machen würde.

Eine guten Lohn haben, einen sicheren Job, ein geregeltes Leben. Ich lebte gut für mein Alter und wusste, dass er weiter bergauf gehen würde!

Aber das Vermissen wurde stärker und das Dafür und Dawider wurde auf einmal zum Grundsatzentscheid: Wie will ich mein Leben leben? Was sind meine Prioritäten?

Will ich die Welt sehen und dafür in eine instabile Zukunft haben und weniger verdienen als an der Kasse?

Will ich mich fachlich weiterbilden, bei spannenden Projekte mitarbeiten und dafür Stress haben und Freiheiten opfern?

Ich versuchte es, indem ich eine Pro/Contra-Liste schrieb. Ich suchte das Gespräch mit meinen Chefs, fragte so ziemlich jeden um Rat, den ich sah und kannte und fand irgendwie doch zu keinem Entscheid. Mir klar: Ich wollte mich entscheiden haben, um entweder wieder mit vollem Commitment und ohne Reue Projekte im Office zu bearbeiten oder aber mich ganz und gar – auch ohne Reue, Komplexe und Naivitäten-  bei der SWISS zu bewerben.

Ich liess den Entscheid reifen, versuchte auf mein Herz zu hören, mich an die →schlechten Seiten des Fliegens zu erinnern und mich in fünf Jahren vorzustellen. Wie bin ich dann? Was werden in Zukunft meine Prioritäten und Wünsche sein?

Swiss Flight Attendant

Schabernack während die Gäste schlafen

Und dann wachte ich auf und wusste: Ich MUSS fliegen! Es ist der einzige Job, wo ich mein Hobby und meine Leidenschaft ausleben kann. Es ist der einzige Job, wo ich  in der Feather Boa in Hong Kong oder auf dem →Marina Bay Center genüsslich ein Cocktail schlürfen kann und am nächsten Tag meine Freunde in der Schweiz sehe. Es ist der einzige Job, wo ich mal hier mal da unbezahlten Urlaub beantragen kann (es eventuell bekomme), ohne dass meine Kollegen mehr arbeiten müssen oder ein Projekt unter meinem Fernweh leidet. Es ist der Job, der mir am meisten Freiheiten bietet und mir eine Leben voller Leichtigkeit (hey, ich fliege schliesslich) verspricht.

Vielleicht ist der Entscheid naiv, kindisch und zu optimistisch. Vielleicht bereue ich in fünf Jahren, nicht doch Karriere gemacht zu haben und gut 8000 statt →nicht mal 4000 zu verdienen. Vielleicht bereute ich, ein florierendes, visionäres und einzigartiges StartUp verlassen zu haben, welches ich mitgestalten und prägen konnte, nur um tagein tagaus Cola, Orangensaft und Sandwiches zu servieren.

Es war für mich die bisher schwerste Entscheidung meines Lebens. Ich weiss nicht, ob ich sie gut oder schlecht getroffen haben. Ich weiss nicht, ob ich diesen (Rück?-)Schritt in 2, 5, 10 Jahren bereuen werde. Aber ich weiss, dass wenn ich jetzt nicht zurück zur SWISS gehe, meinem Leben die Leichtigkeit verloren geht. Und damit irgendwie auch mein Karma, meinen Glauben. Schliesslich plädiere ich dafür, auf sich und sein Herz zu hören und wenn ich das bei so etwa grundlegendem wie dem Job und der Zukunftsvisionen nicht kann, verrate ich mich selber ein Stückchen.

Alle Posts zu meinem Leben als Flights Attendant

Zeige den Beitrag deinen Freunden:

2 Comments

  • Avatar
    Reply
    Sara
    28. März 2019 at 22:47

    Hallo Kristina, habe ich das richtig verstanden: du hast 2 mal bei der SWISS aufgehört und jetzt fängst du das 3 mal an? Ich frage, weil ich auch vor dieser Frage stehe, ob ich wieder anfangen soll oder nicht? Musstest du die Ausbildung wiederholen? LG Sara

    • Kristina
      Reply
      Kristina
      29. März 2019 at 02:43

      Liebe Sara, nein ich habe einmal gekündigt und wieder angefangen.

      Dieses Jahr wollte ich Temp machen, aber das hat nicht geklappt und icj war hin- und hergerissen zu bleiben oder zu kündigen.

      Ich hatte damals beim zweiten Bewerbunggespräch aber nicht das Gefühl, dass sie gerne Leute anstellen, die einmal gekündigt haben. Vielleicht war das bei dir anders? Oder du kannst eine Lösung mit deinem/deiner TL/in finden?

      Liebe Grüsse
      Kristina

    Leave a Reply