Fair Fashion Nachhaltigkeit

Warum Fair Fashion ein feministischer Akt ist & 4 weitere Dinge, die ich über Fair Fashion gelernt habe.

Warum Fair Fashion ein feministischer Akt ist & 4 weitere Dinge, die ich über Fair Fashion gelernt habe

Was ich über Fair Fashion gelernt habe:

1. Fair Fashion muss nicht teuer sein

Als ich mich entschlossen habe, nur noch Fair Fashion zu kaufen war meine erste Angst der Preis. Klar, als Schweizerin ist ein solcher Gedanken nicht gerade sensibel, aber so ist es nun mal – niemand will zu viel bezahlen (auch wenn Fair Fashion eigentlich nicht zu viel, sondern eben einen realeren Preis verlangt) – und wer (wie ich) ein Leben im Überfluss führt, hat schnell Angst, plötzlich auf etwas verzichten zu müssen.

Dieser Gedanke ist aber unbegründet! Sogar 5-Euro-Shirt liegen noch drin — kauft man sie denn Second Hand. Second Hand kann man mit gutem Gewissen reguläre Labels kaufen, die Ressourcen für die Herstellung sind bereits verbraucht und alles, was nicht im Abfall landet, ist gut. Aber auch wer keine Lust auf Second Hand hat, findet mit einigem Suchen Teile, die nicht allzu teuer sind. →Armed Angels hat beispielsweise eine grosse Auswahl zu guten Prisen, bei →OGNX finden sich preiswerte Sportteile und →erlich hat Unterwäsche, die nicht viel teurer ist, als bei den typischen Grosskonzernen.

In diesen Beiträgen zeige ich weitere Fair Fashion Lieblinge:

Mittelteure oder gar teure Mode (siehe nächsten Punkt) gibt es bei Sales günstiger, so kann es dann auch mal was Besonderes sein, ohne gleich das Haushaltsbudget zu ruinieren. Und was ich auch gemerkt habe: Die Lust, Neues zu kaufen bleibt zwar auch bei einer Umstellung zu Fair Fashion. Doch durchs Überlegen und Recherchieren kaufe ich weniger, habe Vorfreude und länger Spass an der Kleidung.

Durch den Wechsel zu Fair Fashion →spare ich unter dem Strich also sogar Geld — wenn auch das einzelne Stück etwas mehr kosten darf als früher.

2. Fair Fashion kann teuer sein

Fair Fashion kann aber nicht nur casual und sportlich, sondern auch chic und teuer. Also auch Liebhaber*innen von Exklusivem müssen nicht auf Besonderes verzichten. →Stella McCartney ist das Premium Fair Fashion Label schlechthin und auch →EDUN, →Filippa K oder →Eileen Fisher spielen in der Ersten Liga beim Modezirkus mit.

Fair Fashion NYFW

Stella McCartney NYFW Fall 2018 Ready-to-Wear &
Filippa K Mohair Sweater in Dove Blue

Ich persönlich mag es, meine Outfits mit Schönem aufzuwerten, so führe ich liebend gerne mein Baby von Stella McCartney aus, und individualisiere meinen Stil zusätzlich mit kleinen Labels. Die Tasche von von Holzhausen ist nicht nur praktisch, sondern im Gegensatz zu so vielen Labels auch selten zu Sichten.

3. Fair Fashion ist nur der Anfang

Wer beginnt, bei Mode genauer hinzuschauen, kann bald nicht mehr wegsehen – bei der Massentierhaltung für unser Essen, den sklavenartigen Bedingungen beim Gemüse- und Fruchtanbau in Südeuropa, den Tierversuchen für Kosmetik, der Ausbeutung der Menschen zur Gewinnung für Rohstoffe (welche dann in Autos, Handys und Computer fliessen), den dramatischen Bedingungen beim Abbau von Edelsteinen usw. usf.

Hört sich deprimierend an, ist es auch. Aber: Wer erkennt, dass er*sie entscheidet, ob und was er mit dem Konsum unterstützt (oder eben meidet), sieht Chancen und Eigenverantwortung statt Ohnmacht und Gleichgültigkeit.

4. Fair Fashion ist ein feministischer Akt

@dariadaria

Wer hier gleiche Rechte für alle (Frauen, Männer & LGTB), Versammlungsfreiheit und Streikrecht fordert und gleichzeitig Kleidung kauft, die dank dem Verbot dieser Rechte von billigen Arbeitskräften profitiert und Menschen gezielt und gewollt ausbeutet und unnötigen Gefahren aussetzt, ist in seiner*ihrer Handlung inkonsequent.

Sexuelle Belästigung, Ausbeutung und die Verweigerung auf Schwangerschaftsurlaub gibt es bei Fast Fashion «Made in Bangladesh» gratis dazu; →Dass Menschen erschossen werden, nur weil sie eine minimale Anhebung des Mindestlohns fordern, kauft man bei Fast Fashion «Made in Cambodia» mit.

Aber auch in Osteuropa und der Türkei ist die Situation nicht besser:

«Die Untersuchung ergab, dass die Situation für Frauen besonders schlimm ist, weil sie ihre Gesundheit ruinieren, während sie für den Schutz der Gesundheit ihrer Familie zuständig sind. Ihre Arbeit wird nach wie vor nicht anerkannt und als „unqualifizierte“ Tätigkeit gegenüber der „technischen“ und „harten“ Arbeit der Männer abgetan. Die Frauen leiden unter extremem Zeitmangel, Stress und allzu oft auch unter sexueller Belästigung. In der gesamten Region ist die Bekleidungsindustrie bekannt für einen niedrigen Lohn und schlechte Arbeitsbedingungen. Die Arbeit dort gilt nur als „Zuverdienst“ zum Familieneinkommen. Entgegen dieser Wahrnehmung sind die meisten Arbeiterinnen alleinerziehende Mütter oder ernähren die gesamte Familie.» (→Quelle)

Fair Fashion als feministischer Akt

EDUN NYFW Fall Winter 2018 Presentation

Da in der Bekleidungsindustrie vor allem Frauen als Näherinnen arbeiten, leistet man mit dem Kauf von Fair Fashion ein Schritt zur weltweiten Gleichberechtigung und ermöglicht ihnen genug zum Leben zu verdienen und für ihre Rechte einzustehen.

5. Fair Fashion ist einfacher, als du denkst

Als ich mich im Frühling vor einem Jahr entschied, fortan nur noch Fair Fashion zu kaufen, wusste ich nicht, was mich erwarten würde. Dass die Umstellung nach anfänglicher Unsicherheit aber so einfach und gleichzeitig so einschneidend sein würde (ich hinterfrage seit damals meinen Konsum gesamthaft kritisch und habe zahlreiches in meinem Leben geändert), hätte ich keineswegs erwartet. Klar ist: Fair Fashion macht glücklich – mit chicer Mode, gutem Gewissen und mehr Gerechtigkeit für alle!

Dank dem Internet, verschiedenen etablierten Fair Fashion Pionieren und Portalen ist der Kauf von nachhaltig produzierter Mode wirklich kein grosses Ding. Dass ich selber es jahrelang nicht gemacht habe, ist mir heute unverständlich. Wie Neil Armstrong schon zu sagen pflegte: «That’s one small step for man, one giant leap for mankind.»

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