Lebensart Naturkosmetik persönlich

Grau mit 30: Warum ich meine Haare nicht mehr färbe

Seit über drei Jahre färbe ich meine Haare nicht mehr. Und schon sehr viele Jahre mehr habe ich weisse und graue Haare. Heutzutage sind meine grauen Haare nicht etwa vier, fünf Härchen wie bei meinen Freundinnen, sondern einen grosse Strähne bei der linken Schläfe und viele einzelne Haare überall verteilt.

Weisse und blonde Strähnen in dunklem Haar

Von Anfang 20 an bis 26 habe ich mir die Haare gefärbt. Immer braun, mehr oder weniger so wie meine Naturhaarfarbe und tendenziell aus dem Gedanken, dass ich das muss, statt dass ich das will.

An den Auslöser, die Haare zu färben, erinnere ich mich übrigens noch gut. Eine Freundin fragte mich, ob ich weisse Farbe im Haar habe. Zu dieser Zeit habe ich viel gemalt und weil weisse Haare immer etwas struppiger als die anderem sind, war es tatsächlich eine ernst gemeinte Frage, auch wenn sie sich wie ein Witz liest. Ab diesem Zeitpunkt wusste ich zwei Dinge: Meine grauen & weisse Haare sieht man. Und sie sind so «abnormal», dass sie zum Gesprächsstoff werden. Etwas, was mein brauner Schopf nie schaffte. (Ausser einmal, als ich als Teenager eine – Zitat – fürchterliche Frisur schneiden liess & mir meinen Eltern fortan nur noch unter bestimmten Bedingungen den Coiffeur bezahlten.)

So färbte ich meine Haare also unaufgeregt Braun. Mal rötlich, mal dunkel, mal Haselnuss. Immer wusch sich die Färbung raus, immer nervte mich die aufgewendete Zeit, nie war ich mit dem Resultat zufrieden (durch das Färben gingen alle natürlichen Strähnen verloren) und je länger je mehr nervte mich auch die unglaubliche Chemie, die ich mir auf den Kopf schmierte.

Ausserdem wusste ich schon immer, dass ich mal lange, weisse Haare haben will. Keine Ahnung was der Auslöser dazu war, aber auch heute finde ich weiss-silbernes, langes Haar wunderschön & manchmal freue ich mich ein bisschen drauf, dass ich dies ziemlich sicher mal haben werden.

Nachdem sich eine klassische Färbung mal wieder ausgewaschen hatte, beschloss ich, eine Naturkosmetik-Färbung zu testen. Henna kam nicht in Frage, wollte ich doch weder rote noch schwarze Haare. So mischte ich also eine Paste aus dem Bioladen an – es stank bestialisch – liess sie ewig einwirken & putze nach dem Auswaschen auch gleich noch die Dusche, da sie sich im Gegensatz zu konventionellen Färbungen in der Duschwanne absetzte. Das wäre alles verkraftbar gewesen, hätte die Färbung meine grauen Haare überdeckt. Doch die störrischen Haare nahmen die Farbe nicht an. Nur meine eh schon brauen Haare waren braun. Wow, was für ein Resultat. Also doch zurück zu Chemiebomben?

Ein paar Mal färbte ich sie noch so, doch dann konnte ich mich nicht mehr überwinden. Ich vermisste die sonnengeküssten, hellen Strähne, welche ich vor meiner Färberei hatte und beschloss, der Natur eine Chance zu lassen. Vielleicht passt Grau und Braun ja auch zusammen? Nur weil man etwas nie sieht, heisst es ja nicht zwangsläufig, dass es nicht geht. Und noch etwas anderes förderte den Entschluss:

Da ich eben weiss, dass ich irgendwann mal lange, weisse Haare haben will, mir aber Kurzhaarfrisuren nicht stehen & meine Haare eher langsam wachsen, graute es mir vom Gedanken, die gefärbten Haare auswachsen zu lassen. Klar kann man mit Strähnen arbeiten. Trotzdem sieht es in fast allen Fällen während der Übergangszeit eher mässig aus. Der logische Schluss: Wer die Haare nicht färbt, muss sie auch nie rauswachsen lassen.

Heute habe ich also grau-braune Haare. Die silberne Strähne sieht man eigentlich immer, egal wie ich mich style. Und auch die sonnengeküssten Highlights sieht man wieder. Beide Strähnen-Arten gehören heute zu mir und verleihen meinem braunen Haar ganz natürlich Lebendigkeit.

Werde ich auf die grauen Haare angesprochen, ist es meistens neugierig («Hast du die graue Strähne gefärbt?!») oder positiv («Das sieht irgendwie ganz gut aus…»). Bei der Arbeit werde ich trotz der grauen Haare meist jünger geschätzt, als ich tatsächlich bin. So schlimm und alt-machend können diese blassen Haare also nicht sein.

Manchmal frage ich mich, warum ich mir die Haare überhaupt gefärbt habe. Doch dann wird mir klar, dass wir uns so oft von (vermeintlichen) gesellschaftlichen Ansprüche leiten lassen und oft gar nicht reflektieren, was uns gefällt, was wir leben und sein wollen.

Meine grauen Haare sind ein kleiner Schritt zu mehr Authentizität. Eine Entscheidung, die mir passt, gefällt und die so individuell ist, dass ich sie niemanden aufdrängen möchte, aber allen empfehlen würde, darüber nachzudenken, warum & für wen man die Haare färbt. Ist es für einen selbst, soll es so sein. Für jemand anderes sollte man seine Haare aber definitiv nicht anpassen.

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Graue Haare mit 30
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6 Comments

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    Reply
    Sandra Müller
    2. September 2019 at 21:21

    Toll, solche Beiträge machen anderen Mut.
    Mir ging es genauso, ausser das meine Haare super schnell wachsen und ich immer zu faul war nachzufärben dann war ich immer öfters ein vierfärber.
    Seit ca 7 Jahren (bin jetzt 41) werde ich immer grauer und bin immer glücklicher mit meinen neuen pflegeleichten Haaren 👩‍🦳

    • Kristina
      Reply
      Kristina
      3. September 2019 at 12:21

      Liebe Sandra – Deine «neuen» Haare sehen sicher toll aus! Silber ist eine wunderbare Farbe und ganz ehrlich, investieren wir Zeit, Nerven & Geld och lieber in wichtigere Dinge als unsere Haare ;)

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    Reply
    Cordula
    6. September 2019 at 00:36

    Hey,
    ein wirklich toller Beitrag ;).
    Ich finde, dass es keinen Grund gibt sich wegen seiner grauen Haare zu schämen. Dasselbe gilt für sonstige Dinge, die mit dem Älterwerden verbunden sind. Wir leben leider in einer Gesellschaft, die uns einreden möchte, dass wir stets jung auszusehen hätten. Doch wir alle werden älter. Und diese Dinge gehören einfach zum natürlichen Kreislauf und damit auch zu einem selbst einfach dazu.
    Ein wirklich toller Post :).
    LG Cordula

    • Kristina
      Reply
      Kristina
      9. September 2019 at 10:34

      Liebe Cordula – genau so sehe ich das auch!! <3

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    Reply
    Sandra
    9. September 2019 at 22:53

    Danke :)
    Ich (w,24) habe mit 15 die ersten grauen Haare entdeckt. Färben war bisher keine Option und obwohl ich oft vor anderen gesagt habe, dass ich dies wahrscheinlich machen werde, falls ich mit 30 ganz grau bin. Eigentlich mag ich meine grauen Haare aber ganz gerne und will sie auch nicht verstecken müssen.

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