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Zero Waste Guide Zürich

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    2 Zero Waste Online-Shops aus der Schweiz & 3 Buchempfehlungen zum abfallfreieren Leben

    Zero Waste Einkaufen & Leben – geht das? Und wenn ja, wie? Und überhaupt, wie soll das bitte gehen als viel beschäftigter Mensch mit tausend Verpflichtungen wo es gerade Mal um fünf vor acht ins Migros schafft zum Abendessen kaufen?

    Klar, Zero Waste schafft man nicht von heute auf morgen und will man wirklich konsequent abfallfrei leben, hat man mehr als nur ein kleines Hobby gefunden. Wie wäre es darum mit Less Waste statt Zero Waste? Dort Abfall vermeiden, wo es problemlos geht, keinen Zusatzaufwand bedeutet, ja vielleicht sogar praktisch, ästhetisch und billiger ist?

    Zero Waste Online-Shopping in der Schweiz

    wayste.ch ist der erste unverpackte Lebensmittel-Lieferdienst der Schweiz.

    Genau da setzen zwei Schweizer Online-Shops an. Während →wayste.ch auf das Verschicken von unverpackten Lebensmittel (ja, das geht!) im Raum Zürich setzt, fokussiert sich →ecocult.ch auf eine kuratierte Auswahl von Alltagshelfern, die aktiv & chic zur Müllvermeidung beitragen. Ich habe bei Ingrid, der Inhaberin von ecocult.ch, und Daniel einem der Gründer von wayste.ch nachgefragt, was ihre Motivation, Lieblingsprodukte und Geheimtipps zu Zero Waste sind. Hier die Antworten:

    Erzähle doch kurz, wer du bist.

    Ingrid: «Ich bin Ecocult – Ingrid Sanguanini, 43 Jahre alt. 2 Kinder Joel 21 und Alia 12. Ecocult war einfach eine Idee die mir aus dem Nichts gekommen ist. Ich habe irgendwo etwas über Zahntabletten gelesen und fand die toll. Wir wollten allgemein unseren Abfall reduzieren. Da wir auf dem Land leben ist das nicht ganz einfach. Wir haben so gut wie keine Läden, die offen verkaufen. So kam die Idee, selber ein paar schöne Dinge einzukaufen die nachhaltig sind.»

    Daniel: «Ich wurde in Brasilia geboren und bin als Kind einer Diplomatenfamilie nie länger als fünf Jahre an einem Ort geblieben. Mir meinen drei Brüdern war ich viel draussen, denn Computer waren langsam und Facebook und Youtube gab es damals noch nicht. In den Ferien machte unsere Familie oft Reisen in dem Land, in welchem wir zu diesem Zeitpunkt wohnten, und so lernte ich immer neue Kulturen, Lebensweisen und verschiedene Landschaften kennen.

    Eine Sache, die all diese Orte gemeinsam hatten, war der omnipräsente Abfall. Als Kind schüttelte ich damals immer nur traurig den Kopf über die am Strassenrand liegende leeren Plastikflaschen und die vielen Einkaufssäcke im Meer.

    Fast Forward: Neun Jahre nach Auszug aus dem Elternheim kündigte ich meinen sicheren Versicherung-Job und arbeitete mit meinem Ex-Mitbewohner und Arbeitskollegen Michel an unserer ersten Geschäftsidee: Den Konsum von Toilettenpapier nachhaltiger zu gestalten.

    Nach den ersten zwei Bestellungen von nachhaltigem Bambus-Toilettenpapier an Freunde, tüftelten wir daran, wie wir mehr Einkäufe generieren könnten. Unser Büro war ein Lernraum an der Universität und über die Mittagspause gingen wir regelmässig im Coop auf der anderen Strassenseite einkaufen & gönnten uns ein klassisches Studenten-Take-Away-Zmittag: Salat, Hummus, Brot, eine Flasche Orangensaft. Eines Tages wurde uns bewusst, dass wir zwar ein nachhaltiges Unternehmen am Aufbauen waren, aber gleichzeitig täglich einen riesigen Haufen Abfall generierten. Wir entschieden uns, das Toilettenpapier-Start-up auf Eis zu legen und stattdessen eine Lösung zu entwickeln, die den abfallfreien Einkauf erleichtern würde.»

    Was motiviert dich persönlich, abfallfreier zu leben?

    Ingrid: «Wir leben nicht abfallfrei. Das ist bei uns auf dem Land aktuell nicht möglich. Wir möchten aber Hand bieten im Kleinen anzufangen, sei es bei der Zahnbürste aus Holz oder der Shampoo-Bar. Auch kleine Dinge helfen, den Abfallberg zu minimieren!»

    Daniel: «Meine Motivation kommt von den Überzeugungen, dass wir als Endkunden mit unseren Entscheidungen einen riesigen Einfluss auf die Aktivitäten von Unternehmen haben, und dass kleine Änderungen im Konsum einen direkten Impact haben. Zudem bin ich extrem dankbar, dass ich dank meiner Eltern so viele Orte dieser Welt habe entdecken dürfen und will dies auch der nächsten Generation ermöglichen.»

    Wie hast du Zero Waste überhaupt entdeckt?

    Ingrid: «Es war reiner Zufall.»

    Daniel: «Ich bin das erste Mal in Dänemark zusammen mit meiner Freundin, welche bereits unverpackt einkaufte, in einen Zero Waste Laden gegangen. Ich war erstaunt, wie viele Sachen dort verpackungsfrei angeboten wurde. Zudem musste ich anerkennen, dass der Küchenschrank meiner Freundin dank Glasbehälter um einiges besser aussah als mein Chaos-Speicher.»

    Was ist dein ultimativer Zero Waste Tipp?

    Ingrid: «Zero Waste ist keine Religion. Jede*r soll beitragen, was er*sie kann. Es bringt nichts den ganzen Hauhalt auszumisten und allen Plastik wegzuwerfen. Die Dinge, die man hat soll, man aufbrauchen und Schritt für Schritt ersetzen.»

    Zero Waste Produkte, praktisch und schön

    Bei →ecocult.ch gibt es praktisch-schöne Produkte für einen nachhaltigeren Alltag.

    Daniel: «Der wichtigste Tipp, den ich habe ist, dass man kein Experte sein muss, um seinen Konsum nachhaltiger zu gestalten! Es ist ein Prozess, der seine Zeit braucht. Ich empfehle also jedem und jeder, die Anforderungen an sich selber realistisch zu gestalten und nicht von sich selber zu erwarten, dass man von heute auf morgen sein Verhalten komplett umstellt. Es ist besser, wenn eine Million Menschen ihren Abfall um 50 % reduzieren, als wenn 1000 Menschen den perfekten Zero Waste Lifestyle leben.»

    Wo sollte man deiner Meinung nach bei Zero Waste anfangen?

    Ingrid: «Wie bereits erwähnt, Schritt für Schritt. Auch die kleinen Dinge schenken ein. Ich finde es spart schon sehr viel Abfall, wenn man Shampoo und Duschmittelgebinde durch Seifen ersetzt. Wir hatten dort den grössten Plastikverbrauch. Auch Trinkflaschen finde ich super. Wir haben früher sehr viel Pet verbraucht. Heute ist es weniger.»

    Daniel: «Ich empfehle allen, mit kleinen und konstanten Schritten anzufangen, da es leichter ist, Gewohnheiten in kleinen Schritten zu ändern (und dabei auch die positiven Effekte zu erleben), als alles auf einmal ändern zu wollen. Fang also mit einzelnen Produkten an und stelle dir bei Gelegenheit die Fragen, ob du A: dieses Produkt wirklich brauchst und wenn ja B: ob es eine gesündere (z. B. plastikfreie) und nachhaltigere Alternative gibt.»

    Wie viel Abfall produzierst du noch?

    Ingrid: «Wir produzieren immer noch Abfall. Der Onlineshop ist inzwischen gewachsen und einen Teil der Lieferanten müssen wir noch erziehen…» ;)

    Daniel: «Ich produziere leider noch viel zu viel. Ich bin gerade umgezogen, und obwohl wir aus Spass unser Sofa und Bettgestell aus alten Paletten gebaut haben, blieb trotzdem noch mehr Abfall übrig, als uns lieb war. Der Durchschnittsschweizer liegt mit rund 715 kg Abfall/Jahr weltweit auf Platz 1. Ich bin selber auf dem Weg zu weniger Abfall und habe gelernt, dass es falsch ist, andere Menschen wegen ihrem Lebensstil zu verurteilen. Bei Wayste behandeln wir deshalb alle Menschen mit vollem Verständnis – egal ob vegan, vegetarisch, flexitarisch, omnivor oder sonst etwas. Jede Person hat ihren eigenen Startpunkt. Hauptsache ist, man setzt sich mit dem Thema auseinander und probiert, seinen Fussabdruck auf die Umwelt zu reduzieren.»

    Was ist dein Zero Waste Lieblingsprodukt und warum?

    Ingrid: «Aktuell ist es das →Ecoegg. Es ist ein Waschei aus Recyclingplastik
    das mit natürlichen Pellets wäscht. Das grosse Ei hält 2-3 Jahre, spart also Geld und Abfall.»

    Daniel: «Bei Zero Waste geht es nicht nur darum, Verpackungsabfall zu reduzieren, sondern auch den Konsum generell zu reduzieren & weniger Produkte einzukaufen. Somit gibt es für mich auch kein Lieblingsprodukt.»

    3 Must-Reads zum Thema «Zero Waste»

    Du hast noch nicht genug, bist gerade erst auf den Geschmack von Zero Waste gekomme & willst mehr wissen?! Perfekt! Genau darum habe ich dir hier noch drei Buchtipps zusammengestellt, die ich zum abfallfreieren Leben gelesen habe & ich wärmsten empfehlen kann:

    Shia Su ~ Zero Waste: Weniger Müll ist das neue Grün

    Mit einfachen Beispielen und Rezepten zeigt Shia, wie unkompliziert und erleichternd die Abfallvermeidung sein kann. Das perfekte Nachschlagwerk für alle, die bereit sind auszuprobieren und dem grossen Begriff «Zero Waste» eine wirkliche Chance zu geben.


    Shia hat übrigens auch ein toller Blog: →WastelandRebel.

    Milena Glimbovski ~ Ohne Wenn und Abfall: Wie ich dem Verpackungswahn entkam

    Milena ist die Gründerin von Original Unverpackt, dem ersten unverpackten Shop überhaupt. In diesem Buch erzählt sie ohne Schönfärberei von der Umsetzung dieser Geschäftsidee & gibt Tipps für eine abfallfreieres Leben. «Ohne Wenn und Abfall» ist nicht nur für Zero-Wast-Interessierte ein Muss, sondern auch von allen, die sich von dieser engagierten Unternehmerin inspirieren lassen wollen!


    Milena ist auf →Twitter & →Instagram aktiv.

    Nunu Kaller ~ Ich kauf nix!: Wie ich durch Shopping-Diät glücklich wurde

    Auf den ersten Blick nicht direkt mit Zero Waste zu tun. Doch Kleider sind nach der Erdölindustrie die schmutzigste Branche der Welt und verursachen 20 % des weltweiten Mülls!1

    Mit viel Humor erzählt Nunu in «Ich kauf nix» vom Entschluss, ein Jahr auf Shopping zu verzichten und sich dafür über die Herstellungsbedingungen bei der Kleiderproduktion zu informieren.

    «Wenn ich jedem Trend nachlaufe, der nach drei Wochen vorbei ist, tue ich mir selbst und anderen verdammt viel Schade an. Anderen, weil durch diese Fast-Fashion-Produktion Umwelt und Menschen massiv leiden, und mir selbst, weil ich mich doch sowieso durch diese Masse an Kleidung überfrachte und überfordere.»

    Ein Buch, das einfach Spass macht und doch die Augen öffnet – eine leichte Lektüre zu einem schweren Thema.


    Nunu bloggt auch unter →ichkaufnix.com.

    Von Zero Waste bin ich übrigens immer noch weit entfernt, aber mit knapp einem 17-Liter-Abfallsack pro Monate bin ich immerhin schon unter den Schweizer Schnitt gerutscht.2

    Sobald ich dann auch endlich ein funktionierendes Kompost-Sytsem gefunden habe (Worm Up funktioniert bei mir leider nicht & eine Grünabfuhr gibt es hier auch auf Anfrage nicht – any ideas?!) wird die Abfallmenge auf jeden Fall nochmals drastisch abnehmen.

    Und: Wo du in Zürich Zero Waste einkaufen kannst, erfährst du hier.


    1 Quelle: →Fashion Industry Waste Statistics
    2 Der Schweizer Schnitt ist 70 35-Müll-Säcke pro Jahr! Quelle: →NZZ Folio


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    2 Schweizer Zero Waste Online Shops
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